Eine Kindergartengruppe in Syrien jubelt

Wo die Krise bleibt, bleibt auch unsere Hilfe

Ende 2024 wird das syrische Regime abgesetzt, der Krieg endet nach 14 Jahern. Das Land erholt sich jedoch nur langsam, wie ein Caritas-Team auf ihrer Projektreise im November 2025 sehen musste. Hoffnung schenken vor allem unsere Kinderprojekte in Damaskus und Aleppo. Sarah Hazeem, Programmleiterin der Caritas Syrien, hat uns außerdem in Salzburg besucht.

Reise durch Trümmer und Hoffnung 

Auf der Reise von Damaskus nach Aleppo zeigt sich das Ausmaß der Zerstörung in großen Teilen des Landes. Doch in unseren Einrichtungen spürt man die vorsichtige Hoffnung der Kinder und Betreuenden.

Kinderkrippe Damaskus

In der Hauptstadt Damaskus bietet die Kinderkrippe der Franziskanerinnen unter der Schirmherrschaft der Caritas etwa 50 Kindern von zwei bis fünf Jahren Betreuung, Schutz und psychologische Unterstützung. Viele der Kinder sind bei ihrer Aufnahme mangel- oder unterernährt und stark traumatisiert, sie benötigen medizinische Behandlung, die durch das Projekt gewährleistet wird.

SHINE (Supportive, Holistic Inclusive Nurturing Education)

Das Projekt SHINE in Aleppo und Damaskus bietet Kindern mit und ohne Behinderungen sichere Räume zum Lernen und Eltern sowie Lehrkräften Beratung und Schulungen. Das Angebot umfasst Schulmaterial, Lernförderung, psychosoziale Betreuung, Musik- und Theaterworkshops sowie jeden Tag eine warme Mahlzeit.

Eine Frau in Syrien gibt ein Interview

Sarah Hazeem, Programmleiterin der Caritas Syrien, im Interview

Wie ist die Lage in Syrien?
Syrien befindet sich an einem kritischen Zeitpunkt in seiner Geschichte. Nach 14 Jahren Krieg und Jahrzehnten der Diktatur gibt es wieder Hoffnung. Aber die humanitäre Krise ist leider nicht vorbei.

Wie geht es den Kindern?
Die Rechte der Kinder wurden durch den Krieg zerstört, zum Beispiel durch Kinderehen, Kinderarbeit und Missbrauch. Viele haben ihre Eltern verloren und leben auf der Straße. Tausende Schulen sind zerstört, Lehrkräfte fehlen und die Schulwege sind oft lebensgefährlich. Über 2,4 Millionen Kinder gehen gar nicht in die Schule.

Wo sehen Sie die wichtigsten Möglichkeiten zu helfen?
Ein wichtiger Schwerpunkt ist die Unterstützung der ländlichen Regionen durch landwirtschaftliche Projekte. Und natürlich steht jede Investition in die Sicherheit und Bildung der syrischen Kinder im Vordergrund – denn sie sind die Zukunft des Landes.

Was sind die größten Herausforderungen im täglichen Leben?
Die wirtschaftlichen Sanktionen verzögern Hilfsprogramme. Die Kürzungen der Hilfsgelder durch die USA und auch Europa haben Syrien stark getroffen. Nach dem Ende von 14 Jahren Krieg wird Syrien in den Medien als „besserer Fall“ gehandelt und wir verlieren die Spender*innen. Eine Aufhebung der Sanktionen wäre sehr wichtig.

Die Lage im Syrien 2025

  • 40 % der Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen funktionieren nur teilweise oder gar nicht.

  • 50 % der Infrastruktur ist zerstört. In vielen Gebieten gibt es kein sauberes Wasser und die Stromversorgung funktioniert vielerorts nicht.

  • 16,5 Millionen Personen (etwa 70 % der Bevölkerung) sind auf humanitäre Hilfe angewiesen (lt. UN-Report), darunter über 7 Millionen Kinder.

  • 90 % der Bevölkerung leben in Syrien unter der Armutsgrenze.

  • Über 7 Millionen Menschen sind Flüchtlinge im eigenen Land, 5 Millionen sind in die Nachbarländer geflohen, allein anderthalb davon in den Libanon.

Mit unseren Projekten im Syrien verfolgen wir diese Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs):